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Natürlich Leder

- denn Leder ist Natur

Manche Dinge gehören zu liebgewordenen und selbstverständlichen Begleitern im täglichen Leben. Leder ist eines davon. Jeder von uns hat Tag für Tag in irgendeiner Weise damit zu tun. Morgens zieht man seine Lederschuhe an, streift sich die Lederjacke über, greift am Zeitungs- stand zum ledernen Portemonnaie, setzt sich vielleicht in die Lederpolster seines Autos und steckt den Schlüssel ins Zündschloß, der oft an einem Anhänger aus Leder befestigt ist. Es ist also ganz natürlich,mit dem Material Leder tagein tagaus zu leben.Das bedeutet nicht nur selbstverständlich", sondern bezieht sich auch auf die Herkunft, denn Leder ist Natur im besten Sinne des Wortes. Der gelegentlich überstrapazierte Begriff Naturmaterial" trifft bei Leder allemal zu. Der typi- sche Charakter von Häuten und Fellen, aus denen Leder entsteht, bleibt unverkennbar. Im Kreise von Naturmaterialien wie Wolle, Baumwolle, Seide oder Leinen nimmt Leder eine herausragende Position ein.

Für die Ursprünglichkeit und Echtheit von Leder gibt es viele Gründe. Besonders bedeutsam ist in erster Linie,daß Merkmale unserer eigenen Haut bei Leder zu finden sind: zart, glatt, anschmiegsam, warm, elastisch, schützend, geschmeidig und schön,aber auch zäh undstrapazierfähig. Das sind hautnahe Eigenschaften, die uns Leder so vertraut machen. Über Leder zu streichen, es zu fühlen und zu empfinden, ist wie ein Stück Zärtlichkeit. Der typische Lederduft schließlich ist einmalig.

Wenn von Echtheit und Ursprünglichkeit die Rede ist,gibt es dafür unverkennbare Merkmale. Das sind die typischen Unwägbarkeiten der Natur, die auf jeder Haut mehr oder weniger - ihre Spuren hinterlassen. Leder, das sanfte Produkt einer robusten Natur, zeigt diese Spuren stolz als unverwechselbare Echtheitsmerkmale, unnachahmbar und natürlich schön. Kein Stück Leder gleicht dem anderen, weil man Häute und Felle nicht von der Rolle" produzieren kann. Deshalb sind alle Dinge aus Leder Unikate. Dazu kommt im Laufe der Zeit die Leder Patina als Zeichen für liebevollen Gebrauch. Da geht es dem Leder wie Holz, Kupfer oder Zinn: Es wird nach und nach immer wertvoller. Auf dieser Seite werden Sie viel über Leder, seine Geschichte, seine Herstellung, Tiere, Lederarten, Lederprodukte, Lederpflege und auch über wichtige Umwelt-Aspekte erfahren. Denn es geht auf keine Kuhhaut, was alles über Leder gesagt werden kann. Doch lesen Sie selbst, damit auch Sie in Zukunft kräftig vom Leder ziehen können.

Die Geschichte des Leders Die Nutzung tierischer Häute und Felle reicht weit in die Frühgeschichte der Menschheit zurück.Bereits der Neandertaler erkannte unter dem Ein- fluß der Eiszeit, daß es sehr zweckmäßig war, die Körperhülle seiner Jagd beute nicht ungenutzt zu lassen. Sie eignete sich ausgezeichnet zur Bespannung und Auspolsterung seiner Behausung und als schützende Bekleidung. An diesem Prinzip hat sich bis heute nur wenig geändert. Nach wie vor ist die Haut,neben Milch, Fleisch und Wolle, das wertvollste Folgeprodukt unserer zum Haustier gewordenen Jagdbeute. Die ersten steinzeitlichen Verfahren zur Halt-und Nutzbarmachung der Häute und Felle waren das Trocknen oder Räuchern am Feuer und das Kauen. Letztere Methode wird noch heute von einigen Eskimo-Stämmen angewandt. Später lernte der Mensch,daß eine Haut haltbarer und gebrauchstüchtiger wird,wenn man Fette einwalkt oder man sie in Brühen legt,die mit pflanzlichen Faserteilen versetzt sind. So war im Mittelmeerraum schon vor der Bronzezeit die gerbende Wirkung von Eichenrinde, Fetten und Alaun (Aluminiumsalz) bekannt. Erste Beweise für vegetabilische, also pflanzliche Gerbung fand man in ägyptischen Grabkammern,die etwa auf 2500 vor Christus datiert sind. Im Museum von Boston befindet sich ein rund 3000 Jahre alter Zeremonienmantel aus gegerbter Gazellen- haut. Das früheste, uns überlieferte Gerbrezept findet man auf einer babylonischen Steintafel aus der Zeit um 720 vor Christus. Im zweiten Buch Moses wird ein Zelt beschrieben, das mit eingefärbten Widderteilen bedeckt war.

In Antike und Mittelalter entwickelte sich die Gerbung zum richtigen Handwerksberuf. Man gerbte Häute und Felle nach feststehenden Rezepturen und Verfahren. Die Regel war eine über Monate dauernde Grubengerbung mit Pflanzensuden,den Lohen, in denen die zu gerbenden Häute und Felle mindestens sechs- bis siebenmal umgeschichtet werden mußten. Diese Gerb- brühen entstanden durch die Mischung von Eichen- oder Fichtenrinde mit Wasser. Das Wasser laugte die gerbenden Faserstoffe aus der Rinde. Es gibt heute noch rund 300 verschiedene pflanzliche Gerbmöglichkeiten auf der Welt.

Wesentliche Fortschritte auf dem Gebiet der Lederher-Stellung wurden erst wieder in jüngerer Geschichte durch den überseeischen Handel und die industrielle Entwicklung erzielt. Anfang des 19. Jahrhunderts begann die Wissenschaft, sich verstärkt und intensiv mit der Gerbung zu befassen. Bahnbrechend war im Jahre 1858 die Entdeckung der gerbenden Wirkung von Chromsalzen. Damit war das Zeitalter der rationellen Mineralgerbung geboren. Sie erlaubte die Lederherstellung in wesentlich kürzerer Zeit und sorgte gleichzeitig für ein Leder, das weicher und gebrauchstüchtiger war. Die Gerbung mit mineralischen Chromsalzen ist bis heute Grundlage der modernen Leder-Erzeugung geblieben. Daneben hat aber auch die Gerbung mit pflanzlichen Substanzen sowie Fetten und Ölen nach wie vor Bedeutung. Alle Verfahren haben von jeher eines gemeinsam: Die Folge war und ist wertvolles Leder für schöne Produkte.

Modische Aspekte wurden immer wichtiger. Heute istMode ohne Leder nicht mehr vorstellbar. Deshalb sind Schuhe, Möbel, Lederwaren und Bekleidung neben ihrer Funktionalität gleichzeitig Produkte kleidsamer oder wohnlicher Schönheit und Lebensqualität. Damit ist der Weg des Leders vorgezeichnet, denn auch in Zukunft wird dieses vielseitigste Naturmaterial sicherlich Geschichte machen.

Apropos Geschichte: Wenn hier über die Historie des Leders gesprochen wird, darf das Deutsche Ledermuseum mit Deutschem Schuhmuseum in Offenbach am Main nicht vergessen werden. Diese 1917 eröffnete Stätte der Ledergeschichte bietet einen interessanten Streifzug durch das fast unerschöpfliche Thema Leder vor dem Hintergrund verschiedener Kulturkreise. Wird fortgesetzt.....

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